Quelle: http://oscarmovs.com/mdb.html - Original Filmplakat des gleichnamigen Films

One Million Dollar Baby


- Eine wahre und tragische Geschichte -

Ein Bericht über ein Mädchen, die Boxerin werden wollte.

Im Oktober 2012 kam ein 16-jähriges Mädchen (Natalie Gnesner aus Klecken) in unsere Sporthalle und bat mich, sie zu trainieren. Ich fragte warum sie unbedingt boxen möchte und ihre Antwort war: Der Film „The One Million Dollar Baby“ hätte sie mehrmals gesehen und das wäre für sie eine große Motivation auch boxen zu wollen. Nicht nurtrainieren, sondern auch Wettkämpfe machen.  Nun, das wollten schon

viele und scheiterten nach den ersten Trainings Einheiten oder nach dem ersten Wettkampf spätestens wenn es dann ins Eingemachte geht, sprich das harte Training, Gewicht halten, Disziplin, Respekt und Kampfgeist mitzubringen wird es bei vielen kritisch.
Ich habe sie dann getestet, beobachtet und an ihre individuelle Leistungsgrenze gebracht und sie machte alles mit. Ohne zu murren und mit Freude. Nie hörte ich ein Ton des Leidens und es schien ihr sogar Spaß zu machen. Sie war sehr diszipliniert und lernte schnell. Das stimmte mich dann um ein Mädchen zu trainieren.

Was ich nach einem früheren, misslungenen Versuch

eigentlich nicht mehr wollte.






Also die erste Hürde war genommen, dann ein Kampfpass beantragt, die ärztliche Untersuchung erfolgreich abgeschlossen und nun musste ein Wettkampf organisiert werden. Und schneller als erhofft, bot sich ein Kampf im Rahmen einer Freiluftveranstaltung in Neumünster an.

Nach einer intensiven Vorbereitung (3-4 Trainings Einheiten in der Woche), war es endlich soweit. Bei herrlichem Wetter kam es zur echten Prüfung, ob Natalie Nerven, Risikobereitschaft und Siegeswillen hat.

Es ging am 8.6.13 nach Neumünster zu einer herrlichen Freiluftveranstaltung.Normalerweise sind die Sportler vor den Wettkämpfen sehr ruhig und nervös, was natürlich normal ist.

Natalie aber strahlte Freude und Zuversicht aus. Schon beim warm machen musste ich sie bremsen. Ihre Gegnerin aus Kiel, Ebru Cacmak, bestritt ebenfalls ihren ersten Kampf. Geboxt wurde im Leichtgewicht, 57 - 60kg, Jahrgang 1997.

Natalie bekam die Order, sich gleich mit angriffsboxen Respekt zu verschaffen.

Ihre türkische Gegnerin aus Kiel, Ebru Cakmak, die ebenfalls ihren ersten Kampf bestritt, erwies sich als harte Kämpferin und leistete in der ersten Runde erbitterten Widerstand. Doch sie verschoss ihr Pulver schon in der ersten Runde und Natalie, wie alle Hittfelder Boxlöwen mit bester Kondition ausgestattet, legte in der zweiten Runde noch „eine Kohle drauf“ und gewann dann souverän in der zweiten Runde durch Abbruch, da die Gegnerin total ausgepowert war und aufgeben mußte.

Erster Kampf und erster Sieg für Natalie.

Sie hat ihre Prüfung bestanden, es hat ihr Spaß gemacht und sie boxte ganz wie ihr Vorbild in dem oben genannten Film. Nur dass Natalie nicht aus den USA kommt, sondern von den Hittfelder Boxlöwen.

Wir alle im Verein sind stolz auf ihre Leistung, ihren Willen und ihre Disziplin.

Eine neue Boxlöwin ist geboren und wir hoffen, dass es für die männlichen Jugendlichen ein Ansporn ist, auch einmal leitungsmäßig Boxsport zu betreiben.

Nun schauen wir optimistisch in die Zukunft, denn ich glaube, hier ist ein Mädchen, das es sehr ernst meint mit ihrem Sport.

Und sie ist auch ein Vorbild für unsere Jungs in der Halle, die sich nicht trauen, Wettkämpfe zu machen.

Am 9.11.13 führte der Box Club Itzehoe mit Boxern aus Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein eine sehr gut besuchte und gut organisierte Veranstaltung durch. Auch unsere Natalie Gnesner sollte dort ihren 2. Kampf bestreiten. Zunächst sah es aus, das es nicht auf ein Zusammentreffen mit der Lübeckerin Anne Meints kommen sollte, da sie mehr als 4 Kilo Gewichtsdifferenz zu unserer Natalie hatte. Aber nach dem zweiten Wiegen wurde dem Kampf doch zugestimmt. Die 1 Jahr ältere (17) Lübeckerin wirkte doch sehr stark. Sie kam aus der Leichtathletik, war da 2012 schon Landesmeisterin. Und so boxte sie auch in der 1. Runde des Kampfes sehr selbstbewusst. Angriffslustig, schlagstark und risikobereit machte sie unserer Natalie schwer zu schaffen. Mit wuchtigen Haken stürmte sie auf Natalie zu und traf auch Natalie mehrmals hart. Ich machte mir große Sorgen, denn Anne wirkte sehr souverän und zu stark für unsere Natie. Doch Natalie verteidigte sich mit einer starken Führhand und wies die Gegnerin mit schweren Körperhaken ihrer Schlaghand in die Schranken. Von Runde zu Runde wurde Natalie sicherer und kontrollierte die sich auch bis zum Schlussgong in der 3. Runde wehrende Gegnerin, die auch nach einem Leberhaken noch angezählt werden musste. Das war eine sehr starke Leistung, die die angehende Altenpflegerin aus Klecken da im Ring zeigte. Nicht nur ein klarer Sieg nach Punkten belohnte diese Leistung, sondern nach Ende der Veranstaltung musste Natalie noch einmal in den Ring, um den riesigen Pokal der besten Technikerin des Abends in Empfang zu nehmen. Ein wahres „One Million Dollar Baby“ machte ihren Trainer erneut stolz und glücklich.

Es folgte ein privater psychischer Einbruch. Sie verpasste die notwendigen Qualifikationen für die Deutsche Meisterschaft und auch sonst schien das Feuer in ihr erloschen.
Dennoch fasste sie auch mit Hilfe der Trainer wieder Mut und begann sich erneut auf die Deutsche Meisterschaft vorzubereiten. Durch einige gesonderte Qualifikationen errang sie erneut die Möglichkeit an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Dafür hatte sie nun mit den Trainern wieder monatelang trainiert.
Kurz vor der unmittelbaren Vorbereitungswoche in Bayern nahm sie sich eine private familiäre Auszeit für ein Wochende. Aus diesem kehrte sie nie wieder in den Boxring zurück. Statt mit der Familie war sie mit Freunden unterwegs, begann das Leben auf eine andere Weise zu geniessen, und so plötzlich und hart wie sie um die Meisterschaft und den Erfolg gekämpft, so plötzlich hat sie auch ihren Sport und das gesamte dahinter stehende Betreuerteam im Regen stehen gelassen. Es geht ihr körperlich gut, sie hat aber nie wieder sich gemeldet oder gar am Training teilgenommen. Zurück bleiben die Erinnerungen an eine Traumkarriere, ein verpasster deutscher Meistertitel, den den hätte sie mit Sicherheit errungen, und vielleicht eine nie angetretene Profisportkarriere. Schade. Wir hätten gerne noch weiter von dieser so einmaligen und fast schon traumhaften Geschichte geschrieben. Aber es war uns allen nicht vergönnt.  

Quelle: http://oscarmovs.com/mdb.html Original Filmplakat des gleichnamigen Films

Diese Geschichte erschien auch im Internet auf der Seite von Boxing Pro. Hier ist der Bericht dazu: Natalie